Die Traumdimension
Allgemeines zur Traumdimension
Die Traumdimension ist eine
eigenständige, immaterielle Ebene im göttlichen Kosmos, die eng mit dem Bewusstsein schlafender Gottheiten und anderer göttlicher Wesen verbunden ist. Anders als die bekannten göttlichen Reiche besitzt sie weder eine feste geografische Beschaffenheit noch eine dauerhafte materielle Struktur. Vielmehr handelt es sich um eine nahezu grenzenlose, ursprünglich leere Dimension, deren Erscheinungsbild erst durch die Träume jener Wesen entsteht, deren Bewusstsein sich in ihr aufhält.
Sobald ein göttliches Wesen einschläft und zu träumen beginnt, gelangt sein Bewusstsein in die Traumdimension, während sein physischer Körper in der wirklichen Welt zurückbleibt. Dies gilt ebenfalls für Gottheiten, die sich in einem Koma oder einem vergleichbaren Zustand tiefer Bewusstlosigkeit befinden.
In der Traumdimension können unendlich viele Träume gleichzeitig existieren, ohne, dass sie sich überschneiden. Eine tatsächliche Überschneidung kann nur durch Einwirkung der Traumgötter entstehen.
Aufbau und Beschaffenheit
Die Traumdimension besitzt keine beständige Umgebung. Landschaften, Gebäude, Personen und Gegenstände entstehen erst durch die Einwirkung von Traumkräften und können sich jederzeit verändern, auflösen oder vollständig neu zusammensetzen. Dabei unterliegen sie weder den gewöhnlichen Naturgesetzen noch den räumlichen und zeitlichen Beschränkungen der physischen Welt. Orte können ineinander übergehen, längst vergangene Ereignisse erneut erlebt und unmögliche Situationen als vollkommen selbstverständlich wahrgenommen werden.
Für die Gestaltung dieser Traumwelten sind insbesondere
Hypnos, der Gott des Schlafes, und seine Söhne, die Traumgötter
Morpheus, Phobetor und Phantasos, verantwortlich. Während Morpheus vornehmlich menschliche und menschenähnliche Gestalten sowie deren Verhalten innerhalb eines Traumes beeinflusst, beherrscht Phobetor insbesondere beängstigende Erscheinungen, Ungeheuer und Albträume. Phantasos wiederum gestaltet unbelebte Gegenstände, Landschaften und ungewöhnliche oder fantastische Erscheinungen. Hypnos besitzt als Herr des Schlafes eine übergeordnete Kontrolle über die Traumdimension und kann deren Beschaffenheit ebenfalls nach seinem Willen verändern.
Unterstützt werden sie von den
Oneiroi, den Traumgeistern, die für die Entstehung und Ausgestaltung gewöhnlicher Träume zuständig sind. Sie formen die einzelnen Traumwelten und verleihen ihnen jene Bilder und Ereignisse, die von den Schlafenden erlebt werden. Unter bestimmten Umständen können sich Oneiroi auch in Albtraumgeister verwandeln (Epialoi) und entsprechend bedrohliche oder beängstigende Traumgeschehnisse hervorrufen, z.B. bei großem, innerem, emotionalen Tumult eines Wesens.
Wahrnehmung im Traum
Obwohl sich das Bewusstsein eines Schlafenden innerhalb der Traumdimension frei bewegen und mit seiner Umgebung interagieren kann, besitzt es dort
keinen tatsächlichen physischen Körper. Sämtliche Sinneseindrücke werden durch den Traum hervorgerufen und erscheinen dem Betroffenen dennoch vollkommen real. So können Speisen gegessen, Getränke getrunken, Gerüche wahrgenommen oder Berührungen empfunden werden, ohne dass diese Erfahrungen eine materielle Grundlage besitzen. Ein im Traum verzehrtes Mahl kann beispielsweise denselben Geschmack und dieselbe Befriedigung vermitteln wie eine tatsächliche Mahlzeit, führt jedoch weder zur körperlichen Sättigung noch zur Aufnahme von Nährstoffen.
Ebenso können Verletzungen, Schmerzen und andere körperliche Empfindungen innerhalb eines Traumes erlebt werden, ohne dem wirklichen Körper unmittelbar Schaden zuzufügen. Selbst der vermeintliche Tod innerhalb eines Traumes führt nicht zum tatsächlichen Tod des Schlafenden. Die dabei empfundenen Ängste und Gefühle können jedoch durchaus nach dem Erwachen nachwirken.
Eine besondere
Ausnahme bilden Hypnos und seine Söhne. Sie sind die einzigen Gottheiten, die die Traumdimension nicht nur mit ihrem Bewusstsein, sondern auch mit ihrem physischen Körper betreten können. Dabei bleiben sie von den gewöhnlichen Beschränkungen der Traumwelt ausgenommen. Traumgeschehnisse können ihnen trotzdem keinen tatsächlichen körperlichen Schaden zufügen, unabhängig davon, welche Gestalt oder Bedrohung diese annehmen.
Wichtig: Erwachen durch innere und äußere Reize
Bestimmte Ereignisse innerhalb eines Traumes können ein unmittelbares Erwachen auslösen. Dazu gehören insbesondere der vermeintliche Tod, ein Sturz aus großer Höhe oder andere plötzliche, intensive Reize, die das Bewusstsein aus seinem Traumzustand reißen. In solchen Fällen wird die Verbindung zur Traumdimension abrupt unterbrochen und das Bewusstsein kehrt in den wachen Körper zurück. Derartige Erlebnisse gehen häufig mit einem heftigen Zusammenzucken, beschleunigtem Herzschlag oder einem kurzzeitigen Gefühl der Orientierungslosigkeit einher.
Auch Traumgeister können spontanes Erwachen herbeiführen.
Suggestionen
Die Traumdimension ermöglicht den Traumgöttern nicht nur die Gestaltung von Traumwelten, sondern auch eine
gezielte Einflussnahme auf das Bewusstsein der Schlafenden. Durch die Veränderung bestimmter Trauminhalte oder das Einbringen unterschwelliger Botschaften können sie Gedanken, Gefühle und Entscheidungen beeinflussen.
Diese Form der Suggestion erfolgt häufig auf subtile Weise. Ein göttliches Wesen könnte beispielsweise von einem lange nicht gesehenen Familienmitglied träumen und nach dem Erwachen den spontanen Wunsch verspüren, dieses zu besuchen. Dabei muss dem Betroffenen nicht bewusst sein, dass dieser Gedanke durch die Einwirkung eines Traumgottes entstanden ist. Vielmehr erscheint die Entscheidung wie eine natürliche Schlussfolgerung oder ein eigener Einfall.
Suggestionen stellen allerdings keine uneingeschränkte Gedankenkontrolle dar. Sie können bestehende Wünsche verstärken, Erinnerungen hervorrufen oder neue Denkanstöße geben, ohne den freien Willen eines Wesens vollständig außer Kraft zu setzen. Ihre Wirksamkeit hängt unter anderem von der Intensität des Traumes und der Empfänglichkeit des jeweiligen Bewusstseins ab.
Gefahren
Auch wenn die Traumdimension kein realer Ort ist, birgt sie dennoch eine grundlegende Gefahr. Denn es besteht die Möglichkeit, ein Bewusstsein über einen längeren Zeitraum innerhalb der Dimension festzuhalten. Durch die gezielte Unterdrückung des Erwachens durch die Traumgötter oder einen Fluch ("Dornröschen Fluch") kann es passieren, dass ein Wesen dauerhaft
im Schlaf gefangen bleibt. In einem solchen Zustand verliert es den aktiven Zugang zur wirklichen Welt, während sein Körper weiterhin existiert. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist König Endymion.
Insbesondere in Zeiten göttlicher Konflikte und Kriege stellt die Traumdimension auch ein erhebliches
Sicherheitsrisiko dar. Dazu gehören unter anderem persönliche Erinnerungen, Ängste, Wünsche und mitunter auch Einzelheiten geheimer Absprachen oder militärischer Vorhaben.
Um eine solche Ausspähung zu verhindern, können Gottheiten auf verschiedene magische Schutzmaßnahmen zurückgreifen. Besonders verbreitet sind starke mentale Barrieren und Schutzzauber, die das Bewusstsein während des Schlafes vor fremden Einflüssen abschirmen. Solche Barrieren verhindern insbesondere, dass Traumgeister gezielt bestimmte Erinnerungen hervorrufen, Trauminhalte manipulieren oder das Bewusstsein unbemerkt beobachten (das Bewusstsein erkennt Eindringlinge schon früh). Mächtigere Schutzzauber können darüber hinaus die Anwesenheit des Schlafenden innerhalb der Traumdimension komplett verschleiern und ihn damit für die Oneiroi schwerer auffindbar machen. Eine besonders wirksame, jedoch sehr aufwendige Methode stellt die
Traumversiegelung dar. Hierbei wird die natürliche Entstehung von Traumwelten magisch unterdrückt, wodurch das Bewusstsein während des Schlafes in einem weitgehend leeren und abgeschirmten Zustand verweilt. Da gewöhnliche Traumgeister auf die Gestaltung und Wahrnehmung von Trauminhalten im Unterbewusstsein angewiesen sind, können sie auf diese Weise kaum verwertbare Informationen gewinnen. Eine dauerhafte Unterdrückung der Träume kann allerdings die geistige Erholung beeinträchtigen und wird daher gewöhnlich nur in besonders gefährlichen Situationen angewandt.