Sirenen
Sirenen sind Mischwesen, die für ihren betörenden Gesang berühmt und gefürchtet zugleich sind. Nach den meisten Überlieferungen sind sie die Nachkommen des Flussgottes Acheloos und einer der Musen, wodurch sie sowohl ihre übernatürliche Stimme als auch ihre wilde Natur geerbt haben.
Berühmt wurden sie insbesondere durch die Begegnung mit Odysseus, der ihren Gesang hören wollte, sich jedoch an den Mast seines Schiffes binden ließ, während seine Gefährten ihre Ohren mit Wachs verschlossen. Auch die Argonauten begegneten den Sirenen, deren Stimmen durch den Gesang des Orpheus übertönt wurden.
Aussehen
Einst verflucht durch die Göttin Demeter, waren die Sirenen Mischwesen aus Frau und Vogel: mit dem Kopf oder Oberkörper einer Frau sowie Flügeln, Krallen und dem Leib eines Vogels. Erst mit zunehmender Zeit paarten sich die Sirenen mit Meereswesen und bekamen so ihr berüchtigtes Aussehen, das heute im klassischen Sinne auch als ‚Meerjungfrau‘ bezeichnet wird.
Ihr Oberkörper ist bis zum Bauchnabel der einer Frau oder eines Mannes. Von der Hüfte bis zu den Zehen haben sie einen Fischschwanz. Dieser kann in Farbe und Größe variieren. Dennoch sind Sirenen oft von außergewöhnlicher Schönheit.
Von der Meereskönigin Amphitrite bekamen sie einst nach Bitten und Flehen die Fähigkeit verliehen, auch auf Land wandeln zu können. Somit können sie ihren Fischschwanz in Beine verwandeln, jedoch nur temporär. Nach 24 Stunden müssen sie zurück zu einer Wasserquelle, sonst überfallen sie quälende Schmerzen.
Lebensraum
Sirenen bewohnen gern abgelegene Inseln, wo nur wenige Menschen leben. Oft bevorzugen sie auch zerklüftete Küsten, von denen aus sie vorbeifahrende Seeleute mit ihrem Gesang anlocken. Um ihre Inseln häufen sich daher die Überreste unzähliger Opfer und Schiffe. Sirenen leben grundsätzlich nicht alleine, sondern in Gruppen. Über ihre Gesellschaftsstruktur ist wenig bekannt, da sie nicht viel über sich preisgeben.
In der heutigen Zeit gelten Sirenen als äußerst selten. Sie leben zurückgezogen an einsamen Küsten, unzugänglichen Inseln und verborgenen Meeresgrotten und meiden den Kontakt zu Menschen wie Göttern gleichermaßen.
Fähigkeiten
Wichtig: Sirenen-Fähigkeiten wirken am stärksten auf Sterbliche; andere göttliche Wesen sowie Götter sind widerstandfähiger, aber auch nicht völlig immun dagegen
Sirenen verfügen über eine Form der Gesangs- und Seelenmagie, die zu den stärksten mentalen Kräften der griechischen Wesenwelt zählt. Ihre Stimmen dringen nicht nur an das Ohr eines Lebewesens, sondern direkt in dessen Geist vor, wo sie Erinnerungen, Sehnsüchte, Ängste und verborgenste Wünsche wahrnehmen und gezielt ansprechen können. Jede Sirene singt dabei ein anderes Lied – eines, das ausschließlich für den jeweiligen Zuhörer bestimmt ist.
Durch ihren Gesang sind sie in der Lage, die Wahrnehmung ihrer Opfer zu verändern, Halluzinationen hervorzurufen und Orientierungssinn, Zeitgefühl sowie Urteilsvermögen zu beeinflussen. Betroffene glauben häufig, vertraute Stimmen zu hören, geliebte Menschen zu sehen oder den Weg zu etwas zu erkennen, das sie sich am meisten wünschen. Je länger jemand dem Gesang ausgesetzt ist, desto stärker wird der magische Einfluss, bis der eigene Wille vollständig von der Sirenenmagie überlagert werden kann.
Neben ihrer mentalen Magie besitzen Sirenen eine außergewöhnliche Kontrolle über ihre Stimme. Sie können ihre Gesänge über mehrere Kilometer hinweg über Wind und Wasser tragen, einzelne Personen gezielt ansprechen oder ganze Schiffsbesatzungen gleichzeitig beeinflussen. Erfahrene Sirenen vermögen ihre Stimme sogar vollständig zu unterdrücken und lautlos mit Schallwellen zu kommunizieren, ähnlich wie Unterwassertiere wie beispielsweise Wale.
Ihre enge Verbindung zum Meer ermöglicht es ihnen, sich nahezu lautlos über und unter Wasser zu bewegen und selbst stärksten Stürmen zu trotzen. Zudem besitzen sie eine instinktive Verbindung zum Meer, wodurch sie sich selbst in dichtestem Nebel niemals verirren.
Die Wirksamkeit ihrer Magie hängt maßgeblich von der mentalen Stärke ihres Gegenübers ab. Wesen mit außergewöhnlicher Willenskraft, göttlichem Schutz oder magischen Barrieren können dem Gesang widerstehen oder seinen Einfluss zumindest abschwächen. Vollständig immun gegen den Ruf einer Sirene sind jedoch nur die wenigsten Lebewesen.
Diät
Sirenen sind Fleischfresser und ernähren sich überwiegend von Fischen und Meeressäugern. Obwohl sie problemlos auf gewöhnliche Jagd gehen können, bevorzugen sie es, ihre Beute mithilfe ihres Gesangs anzulocken.
In den antiken Überlieferungen werden insbesondere Schiffbrüchige und Seeleute als ihre Opfer genannt, weshalb Sirenen lange Zeit als Menschenfresser gefürchtet wurden. Ob sie Menschenfleisch zum Überleben benötigen oder lediglich gelegentlich jagen, ist nicht eindeutig bekannt.
In der heutigen Zeit greifen Sirenen aufgrund der Seltenheit großer Segelschiffe und der besseren Überwachung der Meere nur noch äußerst selten Menschen an. Die meisten ernähren sich hauptsächlich von Meereslebewesen und meiden unnötige Aufmerksamkeit. Dennoch heißt es, dass einzelne Sirenen den Geschmack menschlichen Fleisches nie abgelegt haben und noch immer auf einsame Boote oder unvorsichtige Schwimmer lauern. Solche Vorfälle gelten jedoch als Ausnahme und tragen wesentlich zu ihrem furchteinflößenden Ruf bei.